
Angesichts der gefährlichen Spannungen zwischen dem islamischen Norden und dem christlichen Süden des Landes versuchen Christen und Muslime durch intensive Versöhnungsgespräche den Konflikt zu entschärfen. Gerade viele Muslime wehren sich gegen die brutale Gewalt einiger islamistischer Gruppen.
Ausführliche Berichte im
Newsletter des Weltparlaments der Religionen (CPWR) vom 7. Februar 2012 (in Englisch)
Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) hatte sich nach den ersten Massakern an Christen mit aller Schärfe gegen die islamistischen Terrorgruppen gewandt. — Stellungnahme hier —
Dem KRM gehören alle großen islamischen Verbände in Deutschland an. Ihr Sprecher, der Theologe und Imam, Bekir Alboga, zugleich Beauftragter für interreligiösen Dialog bei der DITIB, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, betonte besonders, dass der Koran ausrücklich verbiete und als Sünde brandmarke, unschuldige Zivilisten zu töten.
Die religiös aufgeheizten Spannungen zwischen dem muslimischen Norden und dem christlichen Süden des Landes haben ihre Ursache hauptsächlich in der großen Armut und der Zukunftslosigkeit vieler junger Menschen. Dies ist umso schlimmer, als Nigeria durch das Erdöl eigentlich ein reiches Land sein könnte, aber die Ölgelder entweder den großen westlichen Ölgesellschaften bzw. einer kleinen korrupten Elite zufließen. Aus dieser Konflikt geladenen Gemengelage meinen besonders radikale, fundamentalistische gewalttätige Gruppen wie Boko Haram (vgl. Bericht der BBC) Vorteile zu ziehen und den Staat insgesamt zu erschüttern, um auf diese Weise Möglichkeiten für einen antiwestlichen islamischen Terrorstaat vorzubereiten. Es sei jedoch nicht verschwiegen, dass diese Gruppen in der muslimischen Bevölkerung Nigerias bisher kaum Rückhalt haben.
Der nigerianische Menschenrechtler Dr. Emmanuel Franklyne Ogbunwezeh sieht in der gesellschaftlichen Zerrisssenheit und in der Armut die Ursachen für die jüngsten Terroranschläge in Nigeria.
— Mehr in der Deutschen Welle (DW-World vom 29.12.2011)
— Der Generalvikar der Diözese Enugu, Nigeria, Prof. Obiora Ike (im Jahre 2002 selbst knapp einem Mordanschlag entkommen), hat INTR°A einen kleinen Einblick in die dramatische Lage freundlicherweise zukommen lassen (30.12.2011):
“Die Sicherheitslage in Nigeria ist ernst. Boko Haram ist wie eine lokale Al Qaida. Sie will einen islamischen Staat ermöglichen. Sie ist fanatisch, respektlos und orientierungslos.
Wir haben in Nigeria seit dem Jahr 2000 über 50000 Menschen durch derartige Aggressionen verloren. Christen sind Opfer diese Gewakttaten. Dialog bleibt der einzige Weg zum Frieden.
So bin ich und unser Team weiterhin bemüht, alles zu tun, dass diese Gewalt nicht weiter eskaliert. Auch ist das Thema Armut gravierend. Daher ist Boko Haram hier direkt tätig, denn die Jugendlichen im Norden sind durchweg Analphabeten.
Ich bin wohlauf, sehr engagiert, ständig in der Front und betend, dass Nigeria den wahren Frieden erfährt.
Alles Gute und Gottes Segen. Obiora.”
Was die Einschätzung der politisch-religiösen Lage betrifft, so hat der
Bericht im INTR°A-Tagebuch vom August 2009 leider nichts von seiner Aktualität verloren.
Eine aktuelle Zusammenstellung zu den Christenverfolgungen mit Hintergrundinformationen zu Nigeria bei: Google-News